
Gibraltar hat schon immer einen besonderen Platz in der globalen iGaming-Branche eingenommen. Dieses kleine britische Überseegebiet war eines der ersten Zentren, das transparente Vorschriften, niedrige Steuern und eine stabile Regulierung bot. Führende internationale Marken richteten hier ihren Sitz ein, und über viele Jahre hinweg war die Gerichtsbarkeit ein Synonym für Zuverlässigkeit.
Doch die Zeiten ändern sich. Nach dem Brexit verlor Gibraltar die Möglichkeit, direkt auf den EU-Märkten zu operieren, wodurch sein Wert noch stärker an den Zugang zum Vereinigten Königreich gebunden wurde. Um sein Ansehen zu wahren und seine Position zu stärken, leitete die Regierung eine umfassende Gesetzesreform ein. Das neue Gambling Act 2025 ersetzt das veraltete Gesetz von 2005 und eröffnet ein neues Kapitel in der Geschichte der Gerichtsbarkeit.
Warum die Reform wichtig ist
Für Gibraltar handelt es sich hierbei nicht nur um eine kosmetische Aktualisierung der Vorschriften. Das Gesetz von 2025 ist eine strategische Antwort auf drei zentrale Herausforderungen:
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Wachsende globale Konkurrenz. Malta, die Isle of Man und Offshore-Zentren konkurrieren aktiv um die Aufmerksamkeit der Betreiber, indem sie flexible Bedingungen anbieten. Gibraltar setzt dagegen auf Strenge und Prestige.
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Neue Transparenzstandards. Die Streichung Gibraltars von der Liste der „Hochrisikojurisdiktionen“ der Europäischen Kommission verpflichtet das Territorium, seine Einhaltung der besten internationalen Praktiken nachzuweisen.
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Erwartungen von Spielern und Investoren. Der heutige Markt verlangt mehr Vertrauen und Sicherheit als je zuvor.
Daher aktualisiert das neue Gesetz nicht nur das Lizenzierungssystem, sondern verändert auch den regulatorischen Ansatz – von einem „bequemen Offshore-Standort“ hin zu einem Zentrum mit den höchsten Standards.

Sechs grundlegende Änderungen
1. Tatsächliche wirtschaftliche Präsenz
Unternehmen können sich nicht länger nur auf eine „virtuelle Registrierung“ verlassen. Um eine Lizenz zu erhalten, muss ein Betreiber eine reale Geschäftstätigkeit in Gibraltar nachweisen: ein Büro, Mitarbeiter und Steuerzahlungen. Dies erhöht den Wert der Lizenz und schützt die Gerichtsbarkeit vor dem Image einer bloßen „Briefkastenfirma“.
2. Neue Lizenzkategorien
Der Markt wird stärker segmentiert:
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B2C — Betreiber, die direkt mit Spielern arbeiten.
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B2B — Anbieter von Glücksspielsoftware, Plattformen und Casino-Lösungen.
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Support Services — Marketing, CRM, Hosting, Risikomanagement, Kreativagenturen.
Jede Kategorie erfordert nun eine separate Lizenz, wodurch das System transparenter wird und Grauzonen beseitigt werden.
3. Persönliche Haftung von Führungskräften
Führungskräfte müssen ein Genehmigungsverfahren durchlaufen und eine eigene Lizenz erwerben. Zum ersten Mal wird die individuelle Verantwortung für strategische Entscheidungen formalisiert, was die Risiken für Spieler und Investoren gleichermaßen reduziert.
4. Strenge Kontrolle des Marketings
Die Regulierung gilt nun für sämtliche Marketingaktivitäten, die in Gibraltar oder von dort aus durchgeführt werden. Dies betrifft sowohl große Niederlassungen internationaler Unternehmen als auch unabhängige Agenturen. Für Unternehmen bedeutet dies die Einhaltung höherer Transparenzstandards.
5. Erweiterte Befugnisse der Regulierungsbehörde
Der Gambling Commissioner kann nun Verwaltungsstrafen verhängen, den Betrieb von Verstößern aussetzen und unangekündigte Inspektionen durchführen. Eine stärkere Aufsicht verringert die Risiken für Spieler und stärkt das Vertrauen in den Markt.
6. Berufungstribunal
Eine neue unabhängige Instanz wurde geschaffen, um Entscheidungen der Aufsichtsbehörde anzufechten. Dies erhöht die Fairness und gibt Unternehmen Sicherheit: Selbst im Konfliktfall können sie auf ein transparentes Verfahren zur Wahrung ihrer Interessen zählen.
Auswirkungen auf verschiedene Marktteilnehmer
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Online-Casino-Betreiber. Sie müssen ihre Unternehmensstrukturen überarbeiten und einzelne Geschäftsbereiche separat lizenzieren. Für multinationale Gruppen kann dies bedeuten, mehrere Anträge einzureichen, um den neuen Anforderungen der Casino plattform und der Anbieter von iGaming-Software gerecht zu werden.
B2B-Anbieter und Dienstleistungsunternehmen. Softwarestudios, CRM-Anbieter und Marketingagenturen unterliegen nun direkt der Regulierung. Das erhöht zwar die Eintrittshürden, stärkt aber auch das Vertrauen der Geschäftspartner.
Führungskräfte. Die persönliche Verantwortlichkeit macht Manager zu „Garanten der Transparenz“ in den Geschäftsprozessen.
Regulierungsbehörde. Mit erweiterten Befugnissen muss sie nicht nur streng, sondern auch vorhersehbar handeln und die Interessen von Wirtschaft und Spielerschutz ausbalancieren.
Spieler. Verstärkte Standards für Fairness und verantwortungsbewusstes Spielen verbessern direkt ihren Schutz.

Herausforderungen und Risiken
Die Reform bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich:
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Steigende Kosten. Lizenzierung, Berichterstattung und lokale Beschäftigung erhöhen die Ausgaben – insbesondere für kleinere Betreiber.
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Fachkräftemangel. Der Arbeitsmarkt in Gibraltar ist begrenzt, und Unternehmen müssen um qualifizierte Spezialisten konkurrieren. Das erwartete Abkommen über die Freizügigkeit mit Spanien könnte diese Situation jedoch entspannen.
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Regulatorische Unklarheiten. Juristen weisen auf verschwommene Abgrenzungen zwischen B2B und B2C sowie auf Unsicherheiten bei der Lizenzierung von Marketing- und Unterstützungsfunktionen hin.

Wirtschaftliche Bedeutung und Wettbewerbsposition
Heute umfasst der iGaming-Sektor Gibraltars:
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rund 20 % des BIP,
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insgesamt 83 lizenzierte Unternehmen,
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mehr als 3.200 Beschäftigte,
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über 150 Millionen £ jährlich an Steuern und Sozialabgaben.
Im Wettbewerb mit Malta, der Isle of Man und Offshore-Gerichtsbarkeiten stützt sich Gibraltar auf drei strategische Säulen:
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Transparenz und strenge Aufsicht. Diese Gerichtsbarkeit ist kein Ort für Grauzonen oder riskante Geschäftsmodelle.
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Prestige der Lizenz. Eine Lizenz aus Gibraltar signalisiert Investoren und Spielern ein hohes Maß an Vertrauen und Seriosität.
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Zugang zum britischen Markt. Der Zugang zu Europas größtem iGaming-Markt bleibt der wichtigste Wettbewerbsvorteil.
Bedeutung für Unternehmer
Für Unternehmer, die ein Online-Casino oder ein internationales iGaming-Projekt starten möchten, sendet das Gesetz von 2025 klare Signale:
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Hohe Eintrittshürden. Eine Lizenz in Gibraltar erfordert Aufwand, Investitionen und gründliche Vorbereitung.
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Langfristige Stabilität. Im Gegenzug gewinnen Unternehmen Vertrauen, Reputation und Zugang zu einem führenden Markt.
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Investition in die Marke. Der Besitz einer Gibraltar-Lizenz wird zu einem klaren Wettbewerbsvorteil bei Verhandlungen mit Partnern und Spielern.
Europäischen Kommission verpflichtet Gibraltar, die Einhaltung der besten internationalen Praktiken nachzuweisen.
Erwartungen von Spielern und Investoren. Der heutige Markt verlangt mehr Vertrauen und Sicherheit als je zuvor.
Deshalb aktualisiert das neue Gesetz nicht nur das Lizenzierungssystem, sondern verändert auch den regulatorischen Ansatz: von einem „bequemen Offshore-Standort“ zu einem Zentrum mit den höchsten Standards.

Fazit
Das Gesetz von 2025 macht Gibraltar zu einer der seriösesten und prestigeträchtigsten iGaming-Gerichtsbarkeiten weltweit. Ja, die Eintrittskosten sind gestiegen, doch ebenso das Vertrauen in Unternehmen, die von hier aus operieren.
Für Unternehmer bietet dies die Gelegenheit, sich als Unternehmen zu präsentieren, das bereit ist, nach hohen Standards zu agieren, langfristige Strategien zu entwickeln und die anspruchsvollsten Kunden zu gewinnen.
Im Kern wird Gibraltar heute nicht mehr wegen der Einfachheit gewählt, sondern wegen des Vertrauens in die Zukunft.